Was ist industrielle Messtechnik?
Die industrielle Messtechnik umfasst alle Verfahren, Geräte und Methoden zur Erfassung physikalischer Größen im Produktionsprozess. Ihr Ziel ist es, Maße, Formen und Oberflächen von Werkstücken zu prüfen und so die Einhaltung von Toleranzen und Qualitätsanforderungen sicherzustellen.
Grundbegriffe der Messtechnik
Um Messergebnisse korrekt zu interpretieren, ist das Verständnis wesentlicher Fachbegriffe unerlässlich:
- Messgröße: Die physikalische Größe, die gemessen werden soll (z. B. Länge, Winkel, Rauheit)
- Messwert: Der durch die Messung ermittelte Zahlenwert inkl. Einheit
- Messabweichung: Differenz zwischen gemessenem Wert und wahrem Wert
- Auflösung: Kleinstes noch anzeigbares Messinkrement eines Messgeräts
- Wiederholpräzision: Streuung der Messwerte bei wiederholter Messung unter gleichen Bedingungen
- Messunsicherheit: Quantitativer Kennwert für die Güte eines Messergebnisses (nach GUM)
Systematische und zufällige Messabweichungen
Messabweichungen lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
Systematische Abweichungen
Systematische Abweichungen treten konstant oder in vorhersehbarer Weise auf. Ursachen können ein nicht kalibriertes Messgerät, falsche Temperaturkompensation oder Bedienungsfehler sein. Sie lassen sich durch Kalibrierung und korrekte Handhabung minimieren.
Zufällige Abweichungen
Zufällige Abweichungen entstehen durch unkontrollierbare Einflüsse wie Schwingungen, Temperaturschwankungen oder leicht variierende Messkraft. Sie lassen sich durch Wiederholmessungen und statistische Auswertung erfassen.
Wichtige Normen und Regelwerke
Die industrielle Messtechnik ist durch internationale Normen standardisiert:
- ISO 286: Toleranzsystem für Längenmaße (Passungen)
- ISO 1101: Geometrische Tolerierung (Form, Lage, Richtung)
- DIN EN ISO 9001: Qualitätsmanagementsysteme mit Anforderungen an die Messmittelüberwachung
- VDI/VDE 2617: Genauigkeit von Koordinatenmessgeräten
- ISO/IEC 17025: Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien
Messverfahren im Überblick
Direktes Messverfahren
Die gesuchte Größe wird unmittelbar mit einem Messwerkzeug bestimmt, z. B. Außendurchmesser mit dem Mikrometer.
Indirektes Messverfahren
Aus mehreren gemessenen Hilfsgrößen wird die eigentliche Messgröße rechnerisch abgeleitet, z. B. Berechnung eines Volumens aus Länge, Breite und Höhe.
Vergleichsmessung
Das Werkstück wird mit einem bekannten Normalmaß (z. B. Endmaß) verglichen. Feinzeiger und Messuhren werden häufig für diese Methode eingesetzt.
Einflüsse auf die Messgenauigkeit
- Temperatur: Werkstoffe dehnen sich temperaturabhängig aus; Messungen sollten bei 20 °C (Referenztemperatur nach ISO 1) durchgeführt werden
- Messkraft: Zu hohe Anpresskraft verformt das Werkstück oder das Messmittel
- Abbe-Fehler: Fluchtungsfehler zwischen Messstrecke und Skala
- Sauberkeit: Schmutz zwischen Messschneiden oder Messflächen verfälscht Ergebnisse
Fazit
Ein solides Grundlagenwissen in der Messtechnik ist die Voraussetzung für zuverlässige Messergebnisse. Wer die relevanten Begriffe, Normen und Fehlerquellen kennt, kann Messungen bewusst planen und absichern – und damit die Qualität seiner Produkte nachhaltig sicherstellen.